Mittwochssoirée

Elvira Grözinger: Judenbilder

Die schöne Jüdin und der hässliche Jude in Literatur und Kunst

Juive de Tanger en costume d'apparat (1835)_Eugène Delacroix

Elvira Grözinger: Judenbilder: Die schöne Jüdin und der hässliche Jude in Literatur und Kunst

Seit der Bibel ist die Schönheit jüdischer Frauen bekannt und gepriesen. Das bekannteste biblische antike orientalische Schönheitsideal jüdischer Frauenfiguren findet sich bei der legendären Sulamith aus dem Hohen Lied Salomos. Die Schönheit Sulamiths und die ihrer Volksgenossinnen hat seither zahllose schöpferische Menschen inspiriert, die die Gestalt der „schönen Jüdin“ in der bildenden Kunst, Musik und in den verschiedenen literarischen Gattungen zum Gegenstand haben. Dennoch wird kaum ein Volk in der Geschichte von anderen Völkern so kontrovers betrachtet wie das jüdische. Da die Literatur als die Seele eines Volkes gilt, spiegelt sich dies natürlich auch in den Literaturen der Völker wider, in deren Mitte Juden über Jahrhunderte lebten und litten. Deswegen fehlt auch die Figur des „hässlichen Juden“ in den literarischen Schilderungen wie in der Kunst nicht, sie diente und dient aber vor allem den nicht judenfreundlichen Karikaturisten als beliebtes Sujet. In den verschiedenen Nationalliteraturen gibt es sowohl ein Eigenbild als auch ein Fremdbild der jüdischen Frau, denn die Schönheit der Jüdinnen war ein Mythos für sowohl Anti- als auch Philosemiten. In Vortrag werden verschiedene Figuren von der biblischen Zeit bis heute vorgestellt.

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Dr. Elvira Grözinger, geboren 1947 in Polen, aufgewachsen in Israel. Die Literaturwissenschaftlerin und Publizistin studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem Anglistik und Französische Philologie, Kunstgeschichte und Jüdische Geschichte. Seit 1967 lebt sie in Deutschland. Sie studierte in Heidelberg Übersetzungswesen, Jiddisch und Germanistik sowie Germanistik, Jiddisch und Judaistik in Frankfurt am Main und promovierte in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, wo sie später, bis zu ihrer Pensionierung, auch selbst unterrichtete. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Polen-Institut Darmstadt, als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an den Universitäten Frankfurt am Main und Potsdam tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören jüdische Literaturen in verschiedenen Sprachen, osteuropäische jüdische Volksmusik sowie das jiddische Theater.

Bildnachweis: Eugène Delacroix · Juive de Tanger, Öl a-Lw, 1835

Mittwoch, 31. Januar 2024, 19.30 Uhr
Gartensaal des Heine-Hauses