Sonntag, 8. November 2026, 11.30 Uhr
Gartensaal des Heine-Hauses
Im Roman Kanzlerkino erzählt Mirko Bonné von einem Land im Dazwischen, von politischen Inszenierungen und der Suche nach persönlicher wie gesellschaftlicher Orientierung.
Die Bonner Republik zur Wendezeit: DDR-Flüchtling Bernd Vomturm macht Karriere im Regierungsviertel und wird dort zum gefragten »Mann fürs Glas«. Verantwortlich für die Fassaden des Kanzlerbungalows, erhält er tiefe Einblicke in das Leben und Umfeld des Bundeskanzlers Viktor Breugel. Während der Pfälzer Kanzler als leidenschaftlicher Cineast seine Politik wie einen Film inszeniert, benötigt seine Gattin Harriet aus gesundheitlichen Gründen dringend mehr Licht. Und Vomturm, der eine Liebesgeschichte mit der Schwägerin des Kanzlers beginnt, entwirft bereits die Architektur einer neuen Zeit: ein visionäres Haus für den Kanzler am Rande Berlins.
Zugleich reichen lange Schatten von Ost nach West. In Chemnitz führt Lutz Reinmar, Vomturms alter Freund, heimlich dessen Stasi-Akte fort – verstrickt in eine fatale Mischung aus Eifersucht und Verrat, droht manch ein Konstrukt zu zerbrechen.
Mirko Bonné hat einen großen Roman über ein Land im Dazwischen und die Suche nach sich selbst geschrieben. Wie ein literarisches Prisma fächert Kanzlerkino unvereinbare Wahrheiten auf, verfolgt das Zersplittern menschlicher Träume.
Mirko Bonné, 1965 in Tegernsee geboren, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Hamburg. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Gedicht- und Essaybände und wurde für sein Werk vielfach ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen Nie mehr Nacht, Lichter als der Tag und Seeland Schneeland. 2020 erhielt er den Rainer-Malkowski-Preis, 2023 den Michael-Althen-Preis für Kritik. Sein Roman Kanzlerkino erschien im Schöffling Verlag.
Bildnachweis
Dirk Brömmel, Serie „Kanzlerbungalow“
Cover: Schöffling & Co. Verlag